8. Vision eines Weltbürgers

                 Meine Vision zur Verhinderung von Kriegen und Vertreibungen

                        Ernst Heinrichsohn

In der Geschichte der Menschen unserer Erde hat es viele Kriege und Vertreibungen gegeben. Den 2. Weltkrieg mit 55 Millionen Toten und die größte Völkervertreibung der Weltgeschichte haben wir erlebt und ertragen müssen. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verursachten regionale Kriege und Vertreibungen geschätzte 40 Millionen Tote.

Warum gibt es solche Kriege und Vertreibungen unter den Völkern der Erde ?  Die gegeneinander kämpfenden Menschen wollen doch selber nicht getötet und vertrieben werden. Meine Antwort lautet: Es fehlt ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit allen Menschen der Erde.

Die Menschen unserer Erde haben alle eine mehr oder weniger starke Bindung zu ihren Familienangehörigen, zu ihren Landsleuten und zu ihren Staatsangehörigen. Wenn diese gefühlsmäßige Verbundenheit zu allen Menschen der Erde erweitert werden könnte, dann wären Kriege und Vertreibungen nicht mehr möglich. Es würde ein Zusammengehörigkeitsgefühl wie in der Bundesrepublik Deutschland entstehen.

Die technologische und wirtschaftliche Globalisierung hat das Zusammengehörigkeitsgefühl mit andern Völkern der Erde schon wesentlich gefördert. Im 19. Jahrhundert gab es noch Kriege zwischen den heutigen deutschen Ländern. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die europäische Vereinigung Kriege und Vertreibungen verhindert. Diese Entwicklung in Europa sollte auch den anderen Kontinenten der Erde empfohlen werden.

Wenn sich die Menschen nicht nur mit ihren Staatsangehörigen, sondern mit allen Menschen der Erde gefühlsmäßig verbunden fühlen würden, dann wäre das Fundament für eine staatliche Weltgemeinschaft entstanden. Mit Weltbürgerbewusstsein lassen sich die globalen Probleme lösen, die Nationalstaaten nicht lösen können. Kriege und Vertreibungen würde es nicht mehr geben können.

Alle Menschen der Erde leben heute in einer Gefahrengemeinschaft. Die vorhandenen Atomwaffen können alle Menschen mehrfach töten. Sie können in die Hände von Selbstmordterroristen gelangen und dann auch gezündet werden. Ein Vergeltungsschlag wie im kalten Krieg wäre nicht möglich, weil die Verursacher unbekannt wären. Das Wettrüsten mit Atomwaffen hat den Atomwaffenstaaten USA, Russland, England, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel nicht mehr, sondern weniger Sicherheit gebracht. In einem demokratischen Weltstaat mit Zuständigkeit für Friedenssicherung würden die Atomwaffen vernichtet werden können.

Die Nationalstaaten unserer Erde geben für die Sicherung ihrer Landesgrenzen jährlich mehr als 1.500 Milliarden Dollar aus. Das ist eine sinnlose Geldverschwendung. Mit einer internationalen Weltpolizei, die nur einen Bruchteil der Summe kosten würde, könnten die Grenzen aller Staaten der Erde gesichert werden. Die Nationalstaaten hätten keine Ausgaben mehr für ihre Nationalarmeen. Für die innere Sicherheit würde wie bisher die Landespolizei zuständig bleiben.

Der bisherige Geschichtsverlauf hat uns gezeigt, dass völkerrechtliche Verträge den Frieden nicht wirksam genug sichern können. Auch die nach dem 2. Weltkrieg von den Siegermächten gegründeten Vereinten Nationen konnten zahlreiche regionale Kriege nicht verhindern. Es begann ein sinnloses Wettrüsten der Supermächte USA und Sowjetunion und ihre Stellvertreterkriege. In der Kubakrise 1962 und im Jahre 1983 bestand die höchste Gefahr eines Atomwaffenkrieges. Das Überleben der Menschen unserer Erde hing am seidenen Faden. Wenn 1983 der in der Sowjetunion von höchster militärischer Stelle erteilte Befehl zum Abschuss von Atomwaffenraketen ausgeführt worden wäre, dann würde es uns Menschen wahrscheinlich nicht mehr geben.                  

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hätte eine friedliche Abrüstungsperiode beginnen können. Doch die Supermacht USA erhöhte noch ihre Rüstungsausgaben und wollte den Weltpolizisten spielen. Als Folge dieser törichten Politik begann der Selbstmordterrorismus mit den Anschlägen am 11. September 2001 in New York und Washington. Es war ein blinder Hass gegen die Supermacht USA entstanden, weil sie die Welt beherrschen wollte. Ungleiche Machtverteilung unter den Völkern der Erde erzeugt Brutstätten für Feindschaften und Terroranschläge. Mit mehr Rüstungsausgaben der Nationalstaaten lassen sich diese heimtückischen Gefahren nicht beseitigen. Es müssen die Ursachen für die Entstehung der Gefahren beseitigt werden.

In einem für Friedenssicherung zuständigen demokratischen Weltstaat gäbe es keine ungleiche Machtverteilung. Alle Völker der Erde wären unter dem Dach des demokratischen Weltstaates gleichberechtigt für die Sicherung des Friedens verantwortlich. Die Menschen könnten nicht mehr von einer Supermacht und von mächtigen Nationalstaaten mit Atomwaffen bedroht und beherrscht werden. Es entstände ein globales Gemeinschaftsgefühl, in dem Feindschaften und Terroranschläge ihren Nährboden verlieren würden.

Nach dem geltenden Völkerrecht dürfen Nationalstaaten nur Verteidigungskriege führen, wenn sie angegriffen werden. Den 2. Irak-Krieg führte die USA mit der vorgetäuschten Begründung, die Herstellung von Atomwaffen zu verhindern. Dieser Krieg war ein rechtswidriger Entwaffnungskrieg, der tausende Terroranschläge verursachte. Die Zahl der Toten in der Zivilbevölkerung wird auf über 100.000 geschätzt.

Auch der Krieg in Afghanistan ist ein Entwaffnungskrieg. Er dauert nun schon länger als ein Jahrzehnt und hat zig Tausende unschuldige Todesopfer gefordert. Das Ansehen der USA durch die Menschenrechtsverletzungen und das Foltern der Gefangenen in Guantanamo sank weltweit auf einen Tiefpunkt. Der Terrorismus konnte auch in Afghanistan nicht besiegt werden. Die Rüstungsausgaben in USA führten zu einer gigantischen Staatsverschuldung und verursachten auch in anderen Ländern die Finanz- und Wirtschaftskrise.

In Libyen und Syrien führten die Diktatoren Gaddafi und Assad mit ihren Nationalarmeen einen grausamen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung. Solch ein sinnloses Blutvergießen könnte es in einem demokratischen Weltstaat nicht mehr geben, da die Regierungen der Nationalstaaten keine Armeen mehr hätten.

Die nach dem 2. Weltkrieg von den Siegermächten gegründeten Vereinten Nationen (die UN) und das Verteidigungsbündnis (die NATO) konnten regionale Kriege und Bürgerkriege mit geschätzten 40 Millionen Toten nicht verhindern. Sie haben im Atomzeitalter ihre Existenzberechtigung verloren, sollten aufgelöst und durch einen demokratischen Weltstaat für Friedenssicherung ersetzt werden.

Wie könnte der Auflösungsprozess verlaufen?  Die demokratischen Staaten der UN und der NATO müssten ihre Mitgliedschaft kündigen und einen demokratischen Weltstaat gründen. In ihm befänden sich dann die meisten Industriestaaten mit einer großen Wirtschaftsmacht. Die neue friedliche staatliche Weltordnung würde einen Anreiz auf die noch diktatorischen Staaten zur Demokratisierung und Aufnahme in die gegründete staatliche Weltgemeinschaft bilden. Solange nicht alle 194 Staaten der Erde in einem demokratischen Weltstaat vereinigt sind, müsste die internationale Weltpolizei militärisch stärker sein als die noch nicht zur Weltgemeinschaft gehörenden diktatorischen Staaten.

Die UN konnte wegen ihrer geringen Machtbefugnisse in den vergangenen 60 Jahren den Frieden nicht sichern. Der Sicherheitsrat besteht aus 5 ständigen Mitgliedern (USA, England, Frankreich, Russland, China). Jedes Mitglied kann mit seinem Vetorecht Entscheidungen für den Frieden verhindern. In der Generalversammlung vertreten die 194 Mitgliedsstaaten vor allem ihre nationalen Interessen. Ihre Resolutionen wurden von den Krieg führenden Staaten oft nicht eingehalten. Die Struktur der UN ist so wenig effizient, dass auch der Völkermord in Ruanda mit Hunderttausenden Toten und das Wettrüsten mit Atomwaffen nicht verhindert werden konnte. Die UN sollte darum durch einen demokratischen Weltstaat mit eigener Gesetzgebungskompetenz für Friedenssicherung ersetzt werden.

Auch das Verteidigungsbündnis, die NATO, hat seine Existenzberechtigung verloren, weil die Grenzen der 27 verbündeten Nationalstaaten nicht mehr von Nachbarstaaten bedroht sind und darum auch nicht mehr verteidigt werden müssen. Die äusseren Grenzen der Bündnisstaaten können wirksamer durch eine internationale Weltpolizei verteidigt werden.

Die Nationalstaaten konnten auch die zunehmende Zerstörung unserer Lebensgrundlage nicht beenden und werden es auch künftig nicht können. Völkerrechtliche Verträge werden nur auf dem kleinsten Nenner abgeschlossen und enthalten dann wie bei den bisherigen Klimakonferenzen weitgehend nur Absichtserklärungen, die nicht eingehalten werden. Auch in diesem Zuständigkeitsbereich brauchen wir Weltgesetze, die alle Staaten durchführen müssten.

In der Hoffnung, dass sich die Menschen unserer Erde in eine Gefahrengemeinschaft vereinigen und einen demokratischen Weltstaat für Friedenssicherung und Umwelterhaltung gründen, möchte ich meinen Vortrag beenden und mich fürs Zuhören herzlich bedanken.             

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