7. Rundfunksendungen

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Text-Vorschlag für eine Rundfunksendung zum Thema:

Demokratischer Weltstaat für Friedenssicherung und Umwelterhaltung

Ernst Heinrichsohn

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer,

herzlichen Dank für Ihr Interesse an meinem Vortrag zum Thema „Demokratischer Weltstaat für Friedenssicherung und Umwelterhaltung“. Es freut mich, über das für alle Menschen der Erde überlebenswichtige Thema zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich übernehme darum auch gerne die Verantwortung für diese Sendung. Doch zunächst möchte ich mich Ihnen ganz kurz vorstellen. Ich bin Ernst Heinrichsohn. Ich wohne seit 1980 in Oldenburg. Nach dem Beginn meines Ruhestandes im Oktober 1986 fand ich genügend Zeit, ein Buch zur Bildung von Weltbürgerbewusstsein für einen künftigen demokratischen Weltstaat  zu schreiben. Die Idee des Vorhabens entstand aus den im 2. Weltkrieg erlebten furchtbaren menschlichen Tragödien und den dann folgenden Umweltzerstörungen.

Weitere Informationen über unsere Ziele erhalten Sie von mir, Max-Beckmann-Str. 41, 26133 Oldenburg, Tel.: 0441-46783, und von unserer Geschäftsstelle, Dählmannsweg 40, 26135 Oldenburg, Tel.: 0441-203268.  Unser Weltbürgerhaus in Oldenburg, Staustr. 8, veröffentlicht an der Hauswand  die Satzungsziele der Weltbürgervereinigung e.V. Dort befindet sich auch ein briefkastenähnlicher Behälter mit  Einladungen zur Mitgliedschaft.

Nach dieser Vorweginformation komme ich zurück auf mein Vortragsthema „Demokratischer Weltstaat für Friedenssicherung und Umwelterhaltung“. Die Idee eines Weltstaates gibt es schon seit Alexander dem Grossen, der von 334 bis 323 v. Chr. Geburt regierte. Er wollte sein erobertes Riesenreich, das aus sehr verschiedenen Völkerschaften bestand, in einer gefestigten Staatsform vereinigen. Seine Idee scheiterte jedoch schon nach seinem frühen Tode im Alter von 33 Jahren. Auch die späteren Versuche, nach Eroberungskriegen einen Weltstaat zu errichten blieben erfolglos. Weder den Herrschern des römischen Weltreiches noch den christlich geprägten Herrschern des fränkischen und deutschen Reiches ist es gelungen, nach ihren Eroberungsfeldzügen einen Weltstaat zu gründen. Erfolglos blieben auch die moslemischen und mongolischen Herrscher in ihrem Bemühen, alle Völker der Erde zu besiegen und in ihren Machtbereich hineinzuzwingen. In der Neuzeit scheiterte Napoleon, Hitler und Stalin, die Völker der Erde in ihren diktatorischen Systemen zu vereinigen.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass Eroberungskriege zur Gründung eines Weltstaates ungeeignet sind. Es bleibt darum nur die Möglichkeit des freiwilligen Zusammenschlusses aller Völker in eine staatliche Weltgemeinschaft. Der freiwillige Zusammenschluss in einen demokratischen Weltstaat kann nur gelingen, wenn die Menschen unserer Erde den Zusammenschluss auch wollen. Solange der Weltstaat im Bewusstsein der Menschen nur eine Utopie ist, wird sich die Weltstaatsidee nicht verwirklichen lassen. Die derzeitigen individuellen Bewusstseinswerte der Menschen unserer Erde sollten darum zu einem Weltbürgerbewusstsein erweitert werden. Unsere Gefühlsverbundenheit mit Familienangehörigen, Landsleuten und Staatsangehörigen würden sich dann zu einer Verbundenheit mit allen Menschen der Erde erweitern. Weltbürgerbewusstsein verdrängt Vorurteile gegenüber anderen Völkern, Rassen und Kulturen. Es entsteht größeres Verständnis für die Vielfalt des menschlichen Lebens. Die gegenseitige Toleranz unter den gleichberechtigten Weltbürgern verhindert Völkerfeindschaften und kriegerische Auseinandersetzungen. Gemeinsame Ziele wie Friedenssicherung und Umwelterhaltung verbinden die Menschen zu einer ethischen Wertegemeinschaft.

Die Menschen unserer Erde sind gegenwärtig bedroht durch die Existenz von atomaren, biologischen und chemischen Waffen, durch Kriege mit konventionellen Waffen, durch globale Terroranschläge, durch die Bevölkerungsexplosion der Entwicklungsländer und durch die Umweltzerstörungen der Industriestaaten. Alle Men-schen der Erde leben darum in einer Gefahrengemeinschaft. Die Beseitigung dieser Gefahren kann durch den Zusammenschluss aller Völker in einen demokratischen Weltstaat gelingen. Der Weltstaat sollte nur zuständig sein für die Friedenssicherung und für die Erhaltung der lebensnotwendigen Umwelt. Alle übrigen Hoheitsrechte würden im Zuständigkeitsbereich der Völker verbleiben. Sie hätten dann keine Verteidigungskosten mehr und könnten ihre eingesparten Rüstungsgelder für den Umweltschutz und für die Eindämmung der Bevölkerungsexplosion ausgeben. Der demokratische Weltstaat würde mit seiner Weltpolizei die innerstaatlichen Grenzen sichern. Große gemeinsame Anstrengungen könnten die zunehmende Zerstörung unserer Lebensgrundlage beenden und die Umwelt  für die künftigen Generationen erhalten.

Der bisherige Geschichtsverlauf hat uns gezeigt, dass völkerrechtliche Verträge den Frieden nicht wirksam genug sichern können. Auch die nach dem 2. Weltkrieg von den Siegermächten gegründeten Vereinten Nationen konnten zahlreiche regionale Kriege mit 40 Millionen Toten und noch mehr Verwundeten nicht verhindern. Die Notwendigkeit der Verhinderung von Kriegen hat sich durch die Atomwaffen wesentlich erhöht. Immer mehr Nationalstaaten wollen eigene Atomwaffen. Diese Waffen könnten von diktatorischen Staaten in die Hände von Selbstmordterroristen gelangen. Ein Vergeltungsschlag wie im kalten Krieg wäre dann nicht mehr möglich, da die Verursacher unbekannt blieben. Die vorhandenen Atomwaffen sind eine globale Gefahr, weil Sie  alle Manschen der Erde mehrfach töten können. Wir brauchen darum einen demokratischen Weltstaat, der den Verzicht auf Atomwaffen überwachen und die Vernichtung der vorhandenen Atomwaffen durchführen kann.

Eine nicht so leicht erkennbare große Gefahr für die Menschen unserer Erde ist die Bevölkerungsexplosion. Zu Beginn des Industriezeitalters vor 250 Jahren lebten auf unserer Erde nur eine Milliarde Menschen. Diese Zahl verdoppelte sich in immer kürzer werdenden Zeiträumen. Vor der Industrialisierung starben von 4 Neugebore-nen 3 Kinder an Krankheiten und Unterernährung. Der frühe Kindertod verhinderte ein schnelle Wachstum der Bevölkerung. Als medizinische Errungenschaften und notdürftige Nahrung alle Völker der Erde erreichten, begann die bis heute andauernde Bevölkerungsexplosion  in den Entwicklungsländern. Es leben heute schon 6,5 Milliarden Menschen auf unserem Planeten Erde und ein Ende der Bevölkerungsexplosion ist noch nicht abzusehen. Die Vereinten Nationen rechnen mit einem weiteren Bevölkerungswachstum auf 9,5 Milliarden Menschen schon bis zum Jahr 2050.

Rund 90 % der Neugeborenen müssen in der unterentwickelten Dritten Welt aufwachsen oder vorzeitig an Unterernährung sterben. Die Zahl der Hungertoten wird auf 20 Millionen jährlich geschätzt. Die Bevölkerung der Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Südamerika wuchs seit 1800 von einer halben Milliarde auf 5 Milliarden Menschen. Die Weltbevölkerung wächst täglich um eine viertel Million und jährlich um 90 Millionen Menschen. Vergleichbar mit einem schnell größer werdenden Heuschreckenschwarm, der alles leer frist und dann selbst verhungern muss, befinden sich die Menschen unserer Erde auf dem Weg zu ihrem Untergang. Die bisherigen Versuche der Vereinten Nationen, die Bevölkerungsexplosion zu stoppen, sind weitgehend ergebnislos geblieben. Religiöse und soziale Traditionen verhinderten freiwillige Geburtenbeschränkungen und die Überwindung der Armut. Eine globale Bevölkerungsstabilität wird sich nur in einem demokratischen Weltstaat durchsetzen lassen, der alle Völker durch Gesetze zum Gleichgewicht zwischen Geburten und Todesfällen verpflichten kann. Die dafür erforderlichen Programme zur Familienplanung müssten von den Industriestaaten finanziert werden.

Eine weitere nicht weniger große Gefahr für die Menschen unserer Erde sind die Umweltzerstörungen der Industriestaaten. Es ist eine schleichende Gefahr, die von den meisten Menschen gar nicht wahrgenommen wird. Seit dem Beginn des Industriezeitalters vor 250 Jahren wird unsere Unwelt in zunehmendem Masse zerstört.

Die steigende Luftverschmutzung in den vergangenen 100 Jahren hat die globale Durchschnittstemperatur schon um 0,7 Grad Celsius erhöht. Wir haben eine den künftigen Generationen drohende Klimakatastrophe eingeleitet. Bei weiter steigenden Temperaturen durch zunehmende Immissionen werden die Eis- und Schnee-massen am Nord- und Südpol und in den Hochgebirgen immer mehr abschmelzen. Der Meeresspiegel wird sich dann durch das Schmelzwasser so erhöhen, dass die am meisten bewohnten und fruchtbarsten Landflächen an der Küste unter Wasser stehen.

Der Klimawandel ist nun auch in den Medien und in der Politik ein Thema geworden. Man will die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf nicht mehr als 2 Grad Celsius ansteigen lassen. Die Klimaschutzabkommen enthalten jedoch nur Absichtserklärungen der Länder, die in der Regel nicht eingehalten wurden. Er besteht darum die Gefahr, dass die Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts auf 4 bis 6 Grad ansteigt. Eine solche Temperaturerhöhung würde katastrophale Folgen haben. Schon die derzeitige Erderwärmung hat große Mengen Methan aus den Frostböden der arktischen Tundra freigesetzt. Das in die Atmosphäre gelangte Methan schädigt das Klima 25 mal mehr als Kohlendioxyd. Die bisherige nationalstaatliche Umweltpolitik konnte die Beschleunigung der Erderwärmung nicht beenden und wird es auch künftig nicht können. Für diese alle Menschen der Erde bedrohende Gefahr brauchen wir Weltgesetze.

Eine wichtige Teilursache für die in Gang gesetzte Klimakatastrophe ist das Abholzen und Niederbrennen der Wälder. Mehr als die Hälfte der riesigen Tropenwälder unserer Erde ist schon vernichtet worden. Auf der nördlichen Erdhalbkugel sterben die Wälder am sauren Regen und durch Abholzen der letzten Urwälder. In Deutschland sind schon 2/3 der Nadel- und Laubwälder in unterschiedlichen Schweregraden geschädigt. Mit der zunehmenden Entwaldung verringert sich die Sauerstoffproduktion durch die Photosynthese der Bäume. Das von der Natur geschaffene Gleichgewicht zwischen Pflanzen, die Kohlendioxyd einatmen und Sauerstoff ausatmen, und den Tieren einschließlich Menschen, die Sauerstoff einatmen und Kohlendioxyd ausatmen, wird lebensbedrohlich zerstört. Die verheerenden  Langzeitwirkungen der Vernichtung unserer Wälder werden die künftigen Generationen erst richtig zu spüren bekommen.

Die Landoberfläche unserer Erde verwandelt sich in immer größer werdenden Geschwindigkeit in Wüstenlandschaften. In Nordafrika dehnt sich die Sahara jährlich um etwa 50 km nach Süden aus. Sie verschlingt dort ökologisch wertvolle Graslandflächen. Der beschleunigte Verwüstungsprozess ist vor allen auf die Vergrößerung des Viehbestandes der schnell wachsenden Bevölkerung zurückzuführen. Für den Raubbau an der Natur müssen zahllose Menschen mit dem Hungertod büßen. Die schnell wachsenden Wüstenlandschaften in Afrika, Pakistan, Mexiko und im Nahen Osten engen den Lebensraum der Menschen immer mehr ein. In den vergangenen 100 Jahren haben sich die  Wüsten und wüstenähnlichen Regionen unseres blauen Planeten verdreifacht. Sie bedecken jetzt schon ein Viertel der Erdoberfläche. Die Zahl der Umweltflüchtlinge wird immer größer. Wenn dieser Prozess nicht eingedämmt wird, dann droht den künftigen Generationen ein grausamer Hungertod.

Die Luftverschmutzung durch Abgase von Autos, Fabriken und Kohlekraftwerken verursacht bei schönem Wetter den sogenannten Sommersmog. Durch intensive Sonneneinstrahlung auf Stickoxyde und Kohlenwasserstoffe entsteht das giftige Reizgas Ozon. Steigt der Ozongehalt in der Luft auf über 300 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft so leiden die Menschen an Kopfschmerzen, Atemnot, Schleimhautreizungen, Augenbrennen und Konzentrationsschwäche. Der Autoverkehr und die Abgase von Fabriken müssen dann verringert werden. Ein hoher Ozongehalt  beeinflusst auch das Waldsterben, den Treibhauseffekt und verrindert die Ernteertäge.

Das in Bodennähe schädliche Ozon schützt in der 10 bis 20 km hohen Stratosphäre Menschen, Tiere und Pflanzen vor ultravioletten Strahlen der Sonne. Ohne die aus Ozon bestehende Stratosphäre hätte sich die Vielfalt des Lebens nicht entwickeln können. Die Menschen haben mit Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), Halogenen, Abgasen von Autos, Flugzeugen und Fabriken schon geschätzte 10 Prozent der Ozonschicht zerstört. Wenn die Ozonlöcher in der Stratosphäre immer größer werden, dann können die ultravioletten Strahlen der Sonne auch das dicht unter der Wasserfläche lebende Meersplankton töten. Das hätte unabsehbare Folgen für das Weltklima und die Nahrungskette in den Ozeanen. Kohlendioxyd könnte nicht mehr ausreichend vom Plankton gebunden werden. 70 % des Sauerstoffs wird vom Meeresplankton produziert, der Rest von Landpflanzen, vor allem von Bäumen. Die schon in Gang gesetzte Erwärmung der Erde würde durch den stärker werdenden Treibhauseffekt erheblich beschleunigt werden.

Die zunehmende Umweltverschmutzung und die Bevölkerungsexplosion haben auch zum Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten geführt. Wo Menschen sich ansiedeln verändern sie die Umwelt und zerstören den Lebensraum der vorherigen Artenvielfalt. Maschinengerechte Ackerflächen, Monokulturen, Intensivweiden, Entwässerungen von Feuchtgebieten, Flussregulierungen, Pflanzenschutzmitteln, Straßenbau und viele weitere menschliche Eingriffe in die Natur beschleunigen das Artensterben. Man schätzt den von Menschen verursachten Artenverlust auf 10 %.

Unser Leben ist abhängig von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen. Sie gehören zu unserer lebenserhaltenden Umwelt. Je mehr wir die biologische Artenvielfalt zerstören, um so größer wird auch für uns die Gefahr des Aussterben. Wir sollten darum auch den Tieren und Pflanzen einen angemessenen Lebensraum zubilligen. Sie sind nicht unsere Gegner, die wir ausrotten dürfen, sondern unsere Partner, die unser Leben erhalten. Wenn sich das bisherige Artensterben in so hoher Geschwindigkeit fortsetzt, dann rechnen Wissenschaftler mit einer Dezimierung der Lebensformen um 50 % schon in den nächsten 100 Jahren. Die Natur wird bei so einem Ausrottungstempo irgendwann zurückschlagen und die sich maßlos ausbreitenden Menschen von der Erdoberfläche ganz oder wenigsten teilweise verschwinden lassen. Der Artenschutz liegt darum in unserem eigenen Überlebensinteresse.

Die landwirtschaftlichen Nutzflächen unserer Erde lassen sich nicht mehr wesentlich erweitern. Seit 10.000 Jahren sind die kultivierten Landflächen ständig ausgedehnt worden. Die wachsende Bevölkerung zog zunächst von einem fruchtbaren Tal zum anderen und verbreitete sich dann allmählich über den ganzen Erdball. Der steigende Nahrungsbedarf wurde durch neue Anbauflächen befriedigt. Bis zum Beginn des Industriezeitalters vor 250 Jahren mussten fast alle landwirtschaftlichen Arbeiten mit der Hand verrichtet werden. Der Boden konnte nur mit organischen Düngern, den Ausscheidungen der Haustiere, fruchtbarer gemacht werden. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse reichten für die Ernährung von einer Milliarde Menschen. Das natürliche Produktionsverfahren änderte sich im Industriezeitalter. Durch den Einsatz von künstlichen Düngern, Pflanzenschutzmitteln und landwirtschaftlichen Maschinen konnten die Erträge vervielfacht werden.

Der Preis für diese Produktionssteigerungen sind Umweltschäden durch immer höher werdende Nitratgehalte im Grund- und Trinkwasser sowie in Pflanzen. Die Überdüngung der Felder belastet Seen und Meere mit Nitraten und Phosphaten. Gefährliche Nebenwirkungen für die Umwelt haben auch die Herbizide gegen Unkräuter und die Pestizide gegen Insekten. Diese giftigen Pflanzenschutzmittel werden von Pflanzen und Tieren aufgenommen und gelangen über die Nahrungskette auch zu den Menschen. Der mit Chemie und Technologie in der Landwirtschaft erreichte Fortschritt, auf gleich große Flächen höhere Erträge zu erwirtschaften, wird sich in der Zukunft wahrscheinlich nur noch mit Hilfe der Genforschung steigern lassen. Die Risiken der Erbänderung von Organismen übertreffen aber noch die von Pflanzenschutzmitteln und künstlichen Düngern ausgehenden Gefahren. Neu erfundene Mikroorganismen können sich unkontrolliert ausbreiten und komplizierte Netze der noch unerforschten Ökosysteme zerstören.

Das Leben auf unserer Erde wird mit dem Zwang, eine in jedem Jahr um 90 Millionen wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, immer größeren Gefahren ausgesetzt. Auch die künstlich gesteigerte Nahrungsmittelproduktion reicht nicht für die zu schnell wachsende Weltbevölkerung. Nach vorsichtigen Schätzungen verhungern schon jetzt 20 Millionen Menschen jährlich in den Entwicklungsländern. Die Bevölkerungsexplosion in den Entwicklungsländern sollte darum so schnell wie möglich mit Hilfe der reichen Industriestaaten beendet werden. Es ist verantwortungslos, Kinder in die Welt zu setzen, die von der überforderten Landwirtschaft nicht mehr ernährt werden können.

Neben der Boden- und Nahrungsbelastung mit Chemikalien ist die Wasserverschmutzung eine große Gefahr für viele Lebensformen. Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf unserem blauen Planeten. Ein gewaltiger Wasserkreislauf versorgt uns mit diesem kostbaren Element. Über 1000 Kubikkilometer Wasser verdunsten täglich durch Sonnenenergie aus der mit über 72 % mit Wasser bedeckten Erdoberfläche. Etwa 775 Kubikkilometer Wasser fallen wieder als Regen zurück auf die Ozeane. Der Rest fällt auf das Land, wo Seen, Flüsse und Grundwasserbestände aufgefüllt werden. Das überflüssige Wasser fließt zurück in die Weltmeere. Dieser großartige Wasserkreislauf wird mit dem steigenden Wohlstand und der wachsenden Welt-bevölkerung immer bedrohlicher verschmutzt. Die Verunreinigung beginnt schon nach dem Aufstieg des sauberen Wasserdampfes in die mit Abgasen belastete Atmosphäre. Dort verbindet sich der Wasserdampf mit Schwefel- und Stickoxyden. Der daraus entstehende saure Regen verursacht Waldsterben, geringere Ernterträge und verschmutzt Flüsse, Seen und Ozeane.

Die Flüsse und Seen werden noch zusätzlich verunreinigt durch giftige Industrieab-wässer, Überdüngung der Landwirtschaft, Pflanzenschutzmittel, Kanalisationsabwässer und viele andere Schadstoffe unserer Wegwerfgesellschaft. Viele Seen und Flüsse unserer Erde haben ihr ökologisches Gleichgewicht verloren. Ihre Reinigung ist um ein Vielfaches teurer als Vorsorgemaßnahmen. Es fehlen Weltgesetze zum Schutz des Oberflächenwassers und des Grundwassers. Die toten Seen mit geringem Wasseraustausch haben keine ausreichende Selbstreinigungskraft. In den Entwicklungsländern sterben nach groben Schätzungen täglich 25.000 Menschen an verseuchtem Wasser. Die schnell wachsende Weltbevölkerung leidet in vielen Gegenden auch an lebensbedrohlichem Wassermangel.

Die Weltmeere unserer Erde haben keinen selbstreinigenden Abfluss. Riesige Mengen Chemikalien, Salze, Phosphate und giftige Abfälle gelangen mit dem Flusswasser in die Ozeane. Die Weltmeere sind die Endstation aller Verschmutzungen der Luft, des Bodens und des Wassers aus Flüssen und Seen. Am stärksten sind die küstennahen Regionen der Meere verunreinigt. In den Binnenmeeren, der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer ist die frühere Unterwasserfauna schon erheblich geschädigt worden. Viele Fischarten sind ganz oder fast ausgestorben. Die Fischbestände der Weltmeere werden rücksichtslos dezimiert. Das ökologische Gleichgewicht der Weltmeere ist für die Menschen unserer Erde überlebenswichtig. Wir können nur hoffen, dass unsere Weltmeere von etwa einer halben Million verschiedener Substanzen, die wir in sie einleiten, nicht ihr Gleichgewicht verlieren.

Eine weitere große Gefahr für die Zukunft der Menschen unserer Erde ist der steigende Energie- und Rohstoffverbrauch. Vor der Industrialisierung konnten die Menschen nur das Nötigste mit ihrer Hände Arbeit produzieren. Das änderte sich, als die Handarbeit durch Maschinenkraft ersetzt wurde. Die künstlichen Produktionsverfahren schufen einen hohen Lebensstandard in den Industriestaaten. Der technologische Fortschritt beruht auf Energie- und Rohstoffreserven. Wenn sie und ihre Ersatzquellen erschöpft sind, dann bricht der künstliche Produktionskreislauf zusammen. Energie wird gebraucht zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, Produktion und Verteilung von Bedarfsgütern, Heizung von Wohn- und Arbeitsräumen, Mobilität und Kommunikation in einer modernen Gesellschaft. Steigt der Weltbedarf an Energie wie bisher, so werden die Öl-, Gas- und Uranvorräte schon in diesem Jahrhundert und die Kohlevorräte nach 200 Jahren weitgehend erschöpft sein. Die künftigen Generationen haben dann auch keine Grundstoffe mehr für die Kunststoffindustrie. Es ist verantwortungslos gegenüber unseren Nachkommen, die letzten Fossilien zu verbrennen, obwohl sie später für die Herstellung von Bedarfsgütern gebraucht werden.

Sollte es er weltweiten Forschung gelingen, in den nächsten Jahrzehnten einen Fusionsreaktor als unbegrenzte Energiequelle zu erfinden, so wäre der künstliche Produktionskreislauf immer noch von den begrenzten mineralen Rohstoffen abhängig. Bei laufender Steigerung des Verbrauchs werden die Lagerstätten der abbaubaren Vorräte an Silber, Gold, Zinn, Kupfer, Nickel, Platin, Blei. Quecksilber, Zink, Wolfram und Mangan schon in diesem Jahrhundert weitgehend erschöpft sein. Minerale und fossile Rohstoffe können nicht nachwachsen. Wenn sie erschöpft sind bricht die Industrieproduktion zusammen. Ohne Maschinen und ohne künstlichen Dünger würden die Ernteerträge auf das Niveau der vorindustriellen Zeit sinken. Der Hungertod von Milliarden Menschen wäre die Folge der geringeren landwirtschaftlichen Erträge. Optimisten glauben, der menschliche Erfindergeist werde immer wieder Ersatzstoffe für die Industrieproduktion finden. Ersatzstoffe sind jedoch auch nur begrenzt vorhanden. Der Zusammenbruch des sich selbst verzehrenden künstlichen Produktionskreislaufes kann dadurch nur verzögert werden. Im bisherigen Industriezeitalter konnten die wichtigsten Rohstoffe nur durch Aluminium, Uran und Kunststoffe ergänzt werden. Es sind darum auch keine Wunder vom technologischen Fortschritt zu erwarten.

Wir leben in einer industriellen Wegwerfgesellschaft. Mit einem immer höher werdenden Lebensstandard der schnell wachsenden Weltbevölkerung wird die Erde auf Kosten der künftigen Generationen ausgeplündert. Unsere Nachkommen werden die Rechnung für unsere Verschwendung mit dem Hungertod bezahlen müssen. Wie bei der Bevölkerungsexplosion in den Entwicklungsländern fehlt auch bei den im Konsumrausch lebenden Menschen der Industriestaaten das Verantwortungsbewusstsein gegenüber den künftigen Generationen. Unser rücksichtsloser Raubbau an den Schätzen der Erde nimmt den künftigen Generationen die Lebensgrundlage. Die Verschwendung der restlichen Rohstoffe sollte darum durch Weltgesetze verhindert werden.

Es liegt wohl in der Natur der Menschen, dass sie durch gegenwärtige Probleme die Zukunft vernachlässigen. Wir bemühen uns in der Gegenwart, den Hunger weltweit zu stillen, Krankheiten zu heilen, Armut zu überwinden, und vergessen die Sorge für die noch nicht geborenen Menschen. Die künftigen Generationen verlieren durch unsere Verantwortungslosigkeit ihre Lebensgrundlage, wenn sie keine frische Luft mehr zum Atmen, kein sauberes Wasser mehr zum Trinken, keinen fruchtbaren Boden mehr zur Ernährung, keine fossilen und mineralen Rohstoffe mehr zur Industrieproduktion, übermäßige Hitzegrade, hohe ultraviolette Strahlen und eine Wüstenlandschaft als Umwelt haben. Mit der Bevölkerungsexplosion und dem die dem die Umwelt zerstörenden Industriewachstum werden wir milliardenfache Zukunftsmörder an den noch nicht geborenen Menschen des begonnen Jahrtausends. Uns fehlt eine höhere  Stufe des Bewusstseins für die Erkenntnis des folgenschweren Unrechts der gegenwärtigen Verschwendungssucht und der hemmungslosen Vermehrung.

Ernst Heinrichsohn
Max-Beckmann-Str.41
D-26133 Oldenburg
Tel.: 0441 – 46783
Fax: 0441 – 4850763
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